BDF-Bezirksversammlung Oberpfalz 2024

Bericht und Impressionen

Die Holz-Welle – Käferbedingte Strategien für einen stabilen Holzmarkt

Ein guter Holzpreis ist einer der wichtigsten Grundlagen für das finanzielle Auskommen eines Forstbetriebes – egal ob im Privat-, Kommunal- oder Staatswald. Welche Möglichkeiten und Strategien bestehen, um den Holzmarkt im Käfer- bzw. Kalamitätsfall entsprechend stabil zu halten? Auf der Bezirksversammlung Oberpfalz am 30. April nahmen verschiedene Referenten hierzu Stellung: 

BDF-Vorstand trifft sich mit BaySF Vorstand

📷 Oberpfälzer BDF-Bezirksversammlung am 30. April 2024 im Gasthof Bodensteiner in Stulln  © Michaela Hamann

Högl: Mehr Personal, besserer Holzabsatz

Petra Högl, Abgeordnete und kommissarische Vorsitzende im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, dankte zunächst einmal allen Forstleuten, die mit Herzblut für ihren Wald einstehen. Wald sei der Hauptbetroffene des Klimawandels. Deshalb wolle die Bayerische Staatsregierung die versprochenen 200 neuen Stellen für die Bayer. Forstverwaltung aus der Waldumbauoffensive auch bis zum Jahr 2030 realisieren. Auch das Engagement des BDF hätte hier Wirkung gezeigt.

Junge Försterinnen und Förster werden dringend gebraucht. Darum habe man auch die Anwärterstellen entsprechend erhöht. Um aber auch entsprechend gutes Personal zu bekommen, müsse man für den Beruf mehr Werbung machen.

BDF-Vorstand trifft sich mit BaySF Vorstand

📷 Kommissarische Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des Bayerischen Landtags  © Matthias Schlund

Mit dem „Pakt Holzenergie Bayern“ bekenne sich der Freistaat zur energetischen Nutzung von Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Um unseren heimischen Rohstoff Holz aber auch langfristig in hochwertigen Produkten zu binden, habe die Staatsregierung die Holzbauinitiative auf den Weg gebracht. Sie fördere die Verwendung von Holz als Baustoff und sorge damit für gute Vermarktungsmöglichkeiten. Die CSU-Abgeordnete betonte, dass ihr auch in Zukunft eine enge Abstimmung mit dem BDF wichtig sei.

 

BDF-Vorstand trifft sich mit BaySF Vorstand

📷  Ministerialrat Franz Paulus vom BAyerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus © Michaela Hamann

Ministerialrat Paulus: Vorbeugender Waldumbau und waldangepasste Wildbestände

Franz Paulus, Leiter des Referats Waldbau, Waldschutz und Bergwald im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus ist der Meinung, dass das Ziel „Vor die Welle kommen“ sehr ambitioniert sei. Seiner Meinung nach können wir negative Entwicklungen nur bremsen. Drei Punkte sind ihm hier besonders wichtig:

  1. Bekämpfung des Borkenkäfers, wo es nur geht
  2. Vorbeugenden Waldumbau intensivieren
  3. Intensive Jagd für waldangepasste Wildbestände.

 

Der Schadholzeinschlag in Bayern steigt seit 1991 zunehmend. Paulus befürchtet für dieses Jahr ein großes Borkenkäferproblem und damit eine weitere Zunahme des käferbedingten Einschlags. Die Bayerische Forstverwaltung unterstütze u.a. mit Förderung, Fernerkundung und Monitoring. Im bundesweiten Vergleich stehe Bayern darum noch am besten da. Bayern stellt daher auch wieder finanzielle Mittel in einer Höhe von ca. 90 Millionen Euro bereit.

Neben der finanziellen Förderung sei aber ein enger Schulterschluss aller Beteiligten besonders wichtig. Eine Möglichkeit des gegenseitigen Austausches sind hier die regelmäßig abgehaltenen „Runden Tische“. Eine weitere Chance sieht Paulus im neu angelegten Förderprojekt „Forstliches Kalamitätsmanagement“, in dem fundiertes Wissen zusammengetragen werden soll, um bei künftigen „Katastrophen“ besser reagieren zu können. Ein weiterer und wichtiger Baustein, um dem Klimawandel begegnen zu können und die Pflanzenversorgung der Forstbetriebe auf eine breitere Palette zu stellen, sind 100 Samenplantagen für Bayern.

 

Zwicknagl: Neue Märkte erschließen

Rudolf Zwicknagl, Bereichsleiter Produktion der Bayerischen Staatsforsten, merkt an, dass ein Holzmarkt nur dann stabil sei, wenn Nachfrage und Angebot im Einklang stünden. Das Angebot sei aber oftmals durch zwangsbedingten Einschlag und die Nachfrage extrem durch die jeweilige konjunkturelle Lage beeinflusst. Zudem komme es noch darauf an, wo eine aufnahmefähige Sägeindustrie vorhanden sei. Er zeigte sich aber überzeugt, dass man die Nachfrage durch entsprechende Liefertreue und durch die Erschließung neuer Märkte (z.B. in Regionen mit sinkenden Holzvorräten) erhöhen könne. Diese werden entstehen, man müsse sie nur suchen.

BDF-Vorstand trifft sich mit BaySF Vorstand

📷  Rudi Zwicknagel von den Bayerischen Staatsforsten © Michaela Hamann

Im Kalamitäts-Fall müsse man das Angebot steuern. Die Bayerischen Staatsforsten entwickeln aus diesem Grund eine überregionale Produktionssteuerung, mit deren Hilfe man schnell in die Prozesse eingreifen könne. Eine Reduktion des Frischholzeinschlags von mehreren 100.000 fm und eine Intensivierung der Borkenkäfersuche seien hier entscheidend. Aktuelle und detaillierte Daten, wo im Wald wie viel Holz produziert wird, welche Kunden wie viel Holz benötigen und wo welche Produktionskapazitäten (z.B. Unternehmer) zur Verfügung stehen, seien unverzichtbar. Der Weg dahin seien Flexibilität und Digitalisierung, was mit einer Standardisierung einhergehe.

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Frank Sander: Vorsorgenden Waldumbau und Wegebau stärker fördern

Frank Sander von der WBV Münchberg und Geschäftsführer der Waldbesitzer Dienstleistungs-GmbH Hochfranken fasste die derzeitige Lage in den Befallsgebieten kurz so zusammen: „Die Lage ist nicht beherrschbar, aber wir arbeiten schön weiter“.

Sander lobte die Politik, die BaySF und die Forstverwaltung für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung. Gerade im Kleinprivatwald gebe es extrem viele Variablen (unterschiedlichste Waldbesitzer, Kleinparzelliertheit, fehlende Erschließung etc.). Darum könne man dort nicht so effizient arbeiten, wie es nötig wäre. Im Krisenfall finde im Privatwald die Aufarbeitung zu 95% durch Unternehmer statt. Er betonte, dass nahezu keine Waldbesitzer mehr sein Holz selber mache und dass kein kleiner Waldbesitzer auf das Einkommen aus dem Wald angewiesen sei. Er merkte an, dass eine gemeinsam koordinierte Holzvermarktung nicht funktioniere und kritisierte, dass es eine Käfer-Förderung auch für die Waldbesitzer gäbe, die “geschlafen“ hätten. Im Jahr 2023 wurde immerhin knapp ein Drittel der ca. 90 Millionen Euro Fördergelder für Käferbekämpfung ausgegeben. Besser wäre es, Steuergelder gerechter zu verteilen, indem man in den vorsorgenden Waldumbau und den Wegebau stärker investiere. Zudem müsse die Förderabnahme einfacher und die Bindefrist aufgehoben werden.

BDF-Vorstand trifft sich mit BaySF Vorstand

📷  Frank Sander von der WBV Münchberg (Oberfranken) © Michaela Hamann

 

Sander appellierte aber auch an alle Kolleginnen und Kollegen, die im Krisenmodus in Käfergebieten arbeiten: „Achtet auf den Selbstschutz, es geht nur das, was geht, ansonsten arbeitet man sich auf“. Kalamitätsholz sei nur ein Produkt, das für kurze Zeit genutzt werde. Was leider viel zu oft hinten runter falle, sei der Erhalt eines gesunden Waldbodens, der für die Ewigkeit erhalten bleiben müsse. Leider ist das bei fragwürdigen Unternehmern oft nicht der Fall. Die Folge seien flächige Befahrung und massive Bodenschäden

Lauterbach: Vorausverjüngung entscheidend

Bernd Lauterbach, Landesvorsitzender des BDF Bayern, bezifferte die Wiederbewaldungsfläche in Deutschland mit über 600.000 Hektar. Vom Umfang entspreche diese den Wiederaufforstungsflächen nach dem zweiten Weltkrieg. Es habe sich gezeigt, dass für eine rasche und effektive Wiederbewaldung eine Vorausverjüngung entscheidend sei. Hier stehe die BaySF mit einem Vorausverjüngungswert von 70 % sehr gut da.

 

Diskussion

In der anschließenden Diskussion ging es u.a. um

  • vereinfachte Regelungen bei der Anlage von Lagerplätzen,
  • die Sinnhaftigkeit der Borkenkäferförderung,
  • die Möglichkeiten bzw. Grenzen der Ersatzvornahmen im Privatwald,
  • eine stärkere Förderung des planmäßigen Waldumbaus, der derzeit nur ca. 10% der Waldumbaufläche umfasse,
  • die Schaffung von Anreizen z.B. durch Steuerbefreiungen bei planmäßigem Holzeinschlag, um die Pflege und Durchforstung der Bestände zu intensivieren.
BDF-Vorstand trifft sich mit BaySF Vorstand

📷 Die Referenten (v.l.) Rudolf Zwicknagl (BaySF), Oswald Hamann (Bezirksvorsitzender), Bernd Lauterbach (Landesvorsitzender), MdL Petra Högl (kommissarische Vorsitzende im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus), Frank Sander (WBV Münchberg), Franz Paulus (StMELF)  © Michaela Hamann

Interne Mitgliederversammlung

Im internen Teil der Versammlung berichtete Bezirksvorsitzender Oswald Hamann über die Tätigkeiten im Verband seit der letzten Zusammenkunft im Mai 2023. Einen großen Dank sprach er an die Jugendvertreter Katharina Vogl und Johannes Hauke aus, die wieder in vorbildlicher Weise die Anwärterübung auf der Silberhütte durchgeführt haben und somit den angehenden Försterinnen und Förstern einen Einblick in den Ablauf der Waldprüfung geben konnten.

Ebenso bedankte er sich bei Seniorenvertreter Rudi Prebeck für die durchgeführte Besichtigung der Berufsschule in Neunburg vorm Wald und der anschließenden Führung durch das Kulzer Moos.

Über die aktuelle Berufs- und Verbandspolitik informierten sodann die beiden Landesvorsitzenden Bernd Lauterbach und Klaus Schreiber.

Ein besonders wichtiges Anliegen war es dem Landesvorsitzenden Lauterbach, für 40 Jahre Mitgliedschaft im BDF Bayern Friedrich Reichert und Hubert Schmid sowie für 60 Jahre Robert Liegl, Hans Rösch und Konrad Wagner zu ehren.

    BDF-Vorstand trifft sich mit BaySF Vorstand

    📷  Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft  im BDF:  vlnr: Bezirksvorsitzende rOswald Hamann, Friedrich Reichert (40 Jahre) Robert Liegl (60 Jahre) stellv. Vorsitzender Klaus Schreiben, BDF Landesvorsitzender Bernd Lauterbach  © Michaela Hamann

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    Gruppe der Angestellten: Bericht von Christian Goldammer

    Der Vertreter für die BaySF-Angestellten Christian Goldammer zeigte sich erfreut über die hohe Anzahl anwesender junger Mitglieder und stellte neben Eckpunkten bei der Einigung im TV-L (siehe BDF aktuell 4/2024) noch weitere Schwerpunkte vor:

    • Der Tarif für die Forstwirte (TV Forst) wird noch verhandelt. Der geplante Beginn zum 01.07.24 ist fraglich. Sicher ist, dass es wieder die Möglichkeit einer Altersteilzeit geben wird. Die Leistungskomponente soll wegfallen, die Vorarbeiter einen deutlich höheren Zuschlag bekommen.
    • Eine psychologische Betreuung für BaySF Mitarbeiter ist über den Berufsgenossenschaftlichen Arbeitsmedizinischen Dienst und die Zentrale möglich.
    • Die Unterstützung bei vorübergehender Teilzeitarbeit im Revierdienst ist oft unzureichend.
    • Der BDF ist nach einem Gespräch bestrebt, die Rahmenbedingungen für Duale Studenten zu verbessern
    • Die Zeiterfassung für Forstwirte und das Büro wird kommen, für Personen mit Vertrauensarbeitszeit ist noch keine Regelung bekannt.
    • Der BDF ist im Gespräch mit dem BaySF-Aufsichtsratsvorsitzenden Hubert Aiwanger, um mehr personelle Unterstützung an den Forstbetrieben zu bekommen.
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    📷 Bezirksversammlung Oberpfalz des BDF  © Michaela Hamann

    Abschließend stellte Roland Mally das BDF-Sozialwerk dem anwesenden Publikum kurz vor und betonte, dass sie nun schon seit über 50 Jahren BDF Mitglieder und ihre Angehörigen in allen Versicherungs- und Finanzfragen unterstützen.

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    📷  Auch das BDF-Sozialwerk war bei der Bezirksversammlung vertreten © Matthias Schlund

    Oswald Hamann, Bezirksvorsitzender Oberpfalz