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Gespräch des BDF mit der Bayerischen Forstministerin

Wir werden beim Wald keine Abstriche machen“ lautet eine der zentralen Aussagen von Forstministerin Michaela Kaniber beim dritten Präsenztreffen mit dem BDF, zu dem die Ministerin eingeladen hatte.

Forstbetrieb 2030 der Bayerischen Staatsforsten

Einsparungsbestrebungen seien nicht der Auslöser für den Strategieprozess „Forstbetrieb 2030“ der Bayerischen Staatsforsten AöR. Vielmehr gehe es darum, sich insgesamt noch besser für die Zukunft aufzustellen. Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ist aufgrund der bekannten Rahmenbedingungen schwierig, aber immer noch weit besser als in den staatlichen Forstbetrieben anderer Bundesländer.
Um den BaySF-Mitarbeiter*innen Ängste vor dem derzeit laufenden „Forstbetrieb 2030“ zu nehmen, betonte die Ministerin, dass eine strategische Neuausrichtung zwar notwendig sei, sie aber mit den Mitarbeiter*innen gemeinsam erarbeitet werde. Ihr sei wichtig, dass die Neuerungen eine breite Akzeptanz bei den Beschäftigten finden. Die derzeitige Holzabsatzkrise sieht die Ministerin auch als Chance, um beispielsweise die Digitalisierung oder die Kundenbeziehungen weiterzuentwickeln.

Kaum politische Vorgaben

Politische Vorgaben zum Forstbetrieb 2030 gebe es wenige. Eine sei, so zitierte Kaniber den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder, dass der Staatswald zu einem klimafesten Zukunftswald umgebaut werde. Es solle keine „überzogene Gewinnerwartung“ geben. Auch sollen erwirtschaftete Gewinne nach dem Motto „Aus dem Wald für den Wald“ wieder in den Wald investiert werden. Kaniber, die gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten ist, betonte, dass das Unternehmen „auch künftig verantwortungsvoll wirtschaften und eine nachhaltige Gewinnerzielungsabsicht haben müsse.“
Der BDF betonte, dass beim Strategieprozess zunächst die vielen Herausforderungen und Aufgaben beschrieben, quantifiziert und daraus die notwendigen Personalzahlen abgeleitet werden müssten. In der Bevölkerung und in vielen Verbänden gebe es keine Akzeptanz, wenn der dringend erforderliche Umbau zum Klimawald und die Waldpflege aufgrund von zu wenig Personal oder Finanzmitteln nicht umgesetzt werden könnte. Nach einer bisherigen Gewinnabführung von über 650 Millionen Euro werde klar erwartet, dass der Freistaat Bayern den langfristigen Strategieprozess nicht von der jetzigen Finanzlage abhängig mache, sondern die Bewältigung der massiv zugenommenen Herausforderungen zum Ziel habe.
Einigkeit bestand darin, dass auch die Bayerischen Staatsforsten ihre Öffentlichkeitsarbeit deutlich intensivieren müssen, um in der Gesellschaft die Akzeptanz für eine naturnahe Forstwirtschaft und den Umbau zum Klimawald zu erhöhen.

BDF: Professioneller Umgang mit „Corona“

Aus Sicht des BDF bewältigten Forstministerin Kaniber, Amtschef Hubert Bittlmayer und die Forstverwaltung die Corona-Pandemie bisher sehr professionell und konsequent. Der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter stand und steht immer im Mittelpunkt, wofür sich der BDF bedankte. So wurden für viele Situationen, wie beispielsweise das Forstliche Gutachten, praktikable Lösungen gefunden. Dieses setzen die Mitarbeiter*innen der Forstverwaltung aktuell trotz der erschwerten Bedingungen wieder vorschriftgemäß um. Für Mitarbeitende mit Vorerkrankungen oder bei stark steigenden Inzidenzwerten müssten allerdings Lösungen gefunden werden.

Klare Position zur Jagd

Für die klaren Worte der Staatsministerin wie „Nicht das Rehwild ist bedroht, sondern dessen Lebensraum, der Wald.“ oder „Ohne waldangepasste Schalenwildbestände können die vielfältigen Lösungswege von Bund und Ländern, unsere Wälder für die Zukunft zu sichern, nur schwerlich zum Erfolg führen“ (Münchner Merkur vom 23.02.21) dankte der BDF. Er verwies auf seinen Leserbrief [Anm. d. Red: Abdruck nachfolgend] und die große öffentliche Unterstützung. Auch gegen das zunehmende „Förster-Bashing“ – nicht selten im Zusammenhang mit der Jagd – setze sich der BDF massiv zur Wehr. Es dürfe nicht geduldet werden, dass Forstleute wegen Erfüllung ihrer Dienstpflichten angegriffen und beleidigt werden.

Forstliches Gutachten unverzichtbar

Frau Kaniber wünscht sich ein „Miteinander für den Wald“. Durch die gemeinsame Überarbeitung des Forstlichen Gutachtens im Jahr 2020 mit allen Verbänden war man auf einem guten Weg, den sie gerne fortsetzen wolle. Sie stellte erneut klar, dass keiner einen Wald wolle ohne Wild.
Die Entscheidungen, das Forstlichen Gutachten trotz der Corona-Pandemie durchzuführen, habe sie sich nicht leicht gemacht. Sie halte einerseits das Forstliche Gutachten für „unverzichtbar“, andererseits habe der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter höchste Priorität. Mit dem nun veröffentlichten Hygienekonzept werde beides erfüllt. Bei Problemen bat die Ministerin um frühzeitige Information, um rasch reagieren zu können.
Völlig einig war man sich über die große Bedeutung der Ergänzenden Revierweisen Aussagen. Nach allen Rückmeldungen würden sie zunehmend stärker angenommen und auch freiwillig beantragt. Immer mehr Jagdpächter und Jagdgenossen würden die Einwertung „ihres“ Jagdreviers, die oft damit verbundenen Begänge und den daraus entstehenden Dialog inzwischen schätzen.

Neuausrichtung Landwirtschaftsverwaltung

Der BDF hat zusammen mit dem HPR ausdrücklich den vom Ministerium gewählten Weg unterstützt, bei notwendigen Personalmaßnahmen in Einzelgesprächen mit den betroffenen Mitarbeitern möglichst einvernehmliche und sozialverträgliche Lösungen vor Ort zu suchen. Eine Dienstvereinbarung zur sozialverträglichen Umsetzung wurde in enger und konstruktiver Abstimmung mit dem HPR erarbeitet und stehe kurz vor der gemeinsamen Unterzeichnung. Aus Sicht des BDF ist dies ein professionelles Vorgehen, das die Interessen der Mitarbeiter im Rahmen der Möglichkeiten respektiert.
Die Zweistufigkeit der Forstverwaltung hat sich aus Sicht des BDF bewährt. Die Prozesse sind schlank und flexibel und der Austausch zwischen Ämtern (ÄELF) und Ministerium eng. Zudem gibt es gerade in der QE 4 keinerlei personellen Spielräume mehr für eine Beteiligung an den Regierungen. Für die Einbeziehung des Forstes in die Projektgruppe zu den Mittelbehörden sieht der BDF daher bisher keine forstfachliche Notwendigkeit.
Staatsministerin Kaniber betonte, dass „das System der Forstverwaltung gut funktioniert“. Bei Großprojekten könne es allerdings Verbesserungsbedarf geben. Mit der Projektgruppe wolle man völlig ergebnisoffen untersuchen, „was möglich wäre“. Aus ihrer Sicht werde es im Forst keine großen Verlagerungen an die Regierungen geben. Ängste hierzu seien unbegründet.

Künftige Ausgestaltung der Öffentlichkeitsarbeit an den ÄELF

Nach den derzeitigen Planungen soll die Öffentlichkeitsarbeit auf Ebene der ÄELF künftig von sogenannten „WIT-Teams“ übernommen werden. Diese Teams zum Wissens- und Informationstransfer werden direkt dem Behördenleiter unterstellt und bilden die Öffentlichkeitsarbeit der Bereiche Landwirtschaft und Forsten ab. Nähere Details werden derzeit in einer entsprechenden Projektgruppe am Ministerium erarbeitet.
Aus Sicht des BDF gibt es bereits jetzt vielfach eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit in den Bereichen Forsten, die es im Zuge dieser Weiterentwicklung zu erhalten und auszubauen gilt: auf Augenhöhe mit dem Bereich Landwirtschaft und mit entsprechenden Kompetenzen des Forstes.

BDF: Neuer Bayerischer Weg der Forstwirtschaft

Die Herausforderungen an den Wald sind aus Sicht des BDF-Landesvorsitzenden Bernd Lauterbach so groß und vielfältig wie nie. Doch auch die staatliche Unterstützung der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ist auf einem nie dagewesenen hohen Niveau. Gleiches gilt allerdings auch für die Arbeitsbelastungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bayerischen Staatsforsten und der Forstverwaltung.
In seiner „Ersten Banzer Erklärung“ hat der BDF im letzten Jahr eine finanzielle Honorierung der Leistungen aller Wälder gefordert, wie sie nun mit der Bundeswaldprämie zumindest einmalig eingeführt wurde. Doch auch die anderen Forderungen der „Banzer Erklärung“ sind entscheidend, um einen „Neuen Bayerischen Weg der Forstwirtschaft“ zu beschreiten.
Bernd Lauterbach dankte der Forstministerin für die Einladung zum Austausch. Gerade das persönliche Gespräch in Zeiten von „Corona“ und die große Offenheit von Ministerin Kaniber sehe er als großes Zeichen des Vertrauens.